FKK Spezial

25. Mai 2020

Wenn man an Künstler und Kunst denkt, dann hat man das Klischee des mittellosen Künstlers vor Augen, nicht umsonst sagt der Volksmund brotlose Kunst. Argwöhnisch wird das Schaffen von Künstlern beäugt und es wird einem oft das Gefühl vermittelt man möchte auf Kosten anderer Leben. Also ganz ohne Pandemie und Virus, eine Herausforderung. Man ist ständiger Kritik ausgesetzt und spöttisch wird jede Form von öffentlicher Kunst kommentiert. Reduktion von Kunst und Kultur auf Kosten, was darf denn Kunst kosten? Ganz klar, der Künstler muss sich selbst vermarkten und wenn er ein erfolgreicher Kaufmann ist dann kann er auch davon leben. In Zeiten von Social Media ein einfaches Unterfangen. Hier ein Post auf Instagram und wenn man 40+ erreichen will, dann natürlich auch etwas auf Facebook und für die ganz jungen ein lustiges Video auf TikTok, um Reichweite zu erzielen. Aber was ist mit dem analogen kulturellen Leben in einer Stadt, wer soll das kulturelle Leben am Leben halten? Ein Intensivbett? Nein, da scheiden sich die Geister, Kultur ist gut, wenn sie nichts kostet. Covid-19 hat für einen absoluten Stillstand gesorgt. Ein unermesslicher, noch nie da gewesener wirtschaftlicher Schaden, mit Auswirkungen auf alle Branchen, auf alle Lebensbereiche. DAX-Konzerne, der Mittelstand, die Gastronomie, die Liste fast unendlich. Irgendwo tauchen auch Künstler auf.

Was bedeutet die Pandemie für einen Künstler – Von heute auf morgen keine Engagements mehr, keine Workshops, keine Ausstellungen, keine Konzerte, keine Tanzabende etc. Der Schrei nach Unterstützung groß, wie in allen Bereichen. Der Staat greift ein, Soforthilfen und Kurzarbeitergeld, in allen erdenklichen Branchen. Doch der Künstler bleibt ein Stück weit auf der Strecke aber was ihm mit Gewissheit bleibt ist die Kreativität. Balkonkonzerte, Live Streams, Virtuelle Ausstellungen, digitale Unterhaltung for free. Applaus und Chapeau. Bei mir sind von heute auf morgen alle Aufträge weggebrochen. Workshops für Kinder, bei denen man schon in Vorleistung gegangen ist, Material eingekauft hat und plötzlich nichts. Soforthilfe abgelehnt, da sie nur laufende Betriebskosten vorgesehen ist. Ich persönlich habe meinen Stillstand mit einem Blog kompensiert, ein digitales öffentliches persönliches Tagebuch, kombiniert mit einer Zeichnung. Andere an meinen Gedanken teilhaben lassen, hat geholfen der Austausch hat abgelenkt. Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb, mit meinem Quarantänetagebuch, dem Covidiary. Anfrage aus Dehli, das Covidiary als Anschauungsobjekt bei einer UN-Veranstaltung mit dem Sujet „Kunst als Kommunikation“. Lokalpresse berichtet, positives Feedback, Kommentare, DMs. Doch plötzlich wieder Kritik, weil man der Aufforderung der Stadt nach kommt und Projektanträge einreicht. Kritik, weil man in mauen finanziellen Zeiten, Workshops für Kinder organisiert mit Unterstützung aus öffentlicher Hand.

Für mich steht eines mit aller Sicherheit fest, ich würde mein letztes Hemd geben um weiter Kunst zu machen und ich würde mein letztes Hemd geben um andere dabei zu unterstützen, diesen Weg zu gehen.

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